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Ortsfamilienbuch Brakel/Erkeln

Den Grundstein für das Ortsfamilienbuch Erkeln legte der inzwischen verstorbene Ben Loog aus Hilversum/Holland. 1994 erstellte er ein Personenverzeichnis für Erkeln und Beller für die Zeit vom 16. – 19. Jahrhundert. Seine Vorfahren stammen ursprünglich aus Erkeln. Der Großvater seines Großvaters wanderte nach Holland aus, um dort eine neue Existenz aufzubauen. In Erkeln sah dieser Ahne, der als Leinenweber arbeitete, keine Zukunft.
Ben Loog betrieb Genealogie, besuchte Erkeln mehrfach– zum ersten Mal 1988 – und übertrug die Kirchenbucheinträge in ein Ortsfamilienbuch für Erkeln.
Nach Ben Loogs Aussage, haben zwischen 1600 und 1900 ungefähr 10.000 Menschen etwas mit Erkeln zu tun gehabt. Personen, die ihr ganzes Leben im Dorf wohnten, dort nur gestorben sind, ein Kind haben taufen lassen oder in Erkeln heirateten, sind hiermit gemeint.
Seit dem Jahr 2000 ist das Werk von Ben Loog in Form einer Internetdatenbank zugänglich.

2016 übernimmt Andreas Köring die weitere Bearbeitung des Ortsfamilienbuches und ergänzt die Datenbank hinsichtlich der Erkelner Taufen bis einschließlich 1916. Die Sterbefälle werden künftig aktualisiert bis einschließlich 1986, vorausgesetzt die betreffende Person wurde tatsächlich vor 1917 geboren. Sterbefälle für die damalige Filialgemeinde Beller werden zunächst nur bis 1954 in der Datenbank aufgeführt, da die Gemeinde Beller in jenem Jahr einen eigenen Friedhof anlegte. Trauungen werden in der Datenbank bis zum Jahr 1936 verzeichnet, vorausgesetzt die betreffenden Eheleute sind vor 1917 geboren worden.

Demnächst werden die Herkunftsfamilien der Erkelner Personen, die aus den umliegenden Ortschaften stammen, in der Datenbank weiter ausgebaut. Es gibt viele Familien in Erkeln, deren Mitglieder in benachbarte Dörfer heirateten. In der nächsten Generation kann wiederum ein Sohn oder eine Tochter durch Heirat nach Erkeln zurück gekommen sein, wo bereits ein Teil der Vorfahren gelebt hat. Wie sich eine Familie in dem anderen Ort weiterentwickelte bzw. welche Kinder beispielsweise eine gebürtige Erkelnerin vor 200 oder 300 Jahren in Tietelsen zur Welt brachte, nachdem sie dort mit ihrem Partner eine Familie gegründet hatte, soll in die Datenbank eingepflegt werden.

Zur Geschichte der Erkelner Kirchenbücher und der Pfarrer, die sie führten:

Als Grundlage dienen die Erkelner Kirchenbücher, die gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1644 beginnen.
Gerhard Poelmann (* 05.08.1621 + 27.12.1694) hatte kurz nach seinem Amtsantritt Tauf-, Trau- und Sterberegister angelegt, die er rund 30 Jahre später in ein eigens hierfür vorgesehenes Buch übertrug. Er führte die Kirchenbücher mit besonderer Sorgfalt.
In den ersten Jahren war Poelmann zugleich Pfarrer in Rheder und Kaplan in Brakel.
Deshalb sind in den Erkelner Kirchenbüchern auch Taufeintragungen für Rheder und Brakel enthalten. Die Kirchenbücher in Brakel und Rheder beginnen erst 15 Jahre später.
Gerhard Poelmann fertigte Listen aller Katholiken in den Orten Erkeln und Beller an. Dort sind die Namen des Ehemannes, seiner Frau und seiner Kinder angegeben.
Pfarrer Poelmann war der Sohn von Johannes Poelmann, Ludimagister (= Küster und Lehrer) und der Margarethe Kaisers.

Statistisches zur Zeit Poelmanns in Erkeln:
1656 lebten in Erkeln und dem Filialort Beller ca. 300 Einwohner.
Die Zahl der Kommunikaten betrug 1673 340 Personen.
1687 stieg diese Zahl auf 375 an.

Pfarrer Gerhard Poelmann fügte 1646 in das Taufregister eine wertvolle Chronik ein. Zunächst werden Nachrichten bezüglich Erkeln und Brakel festgehalten. Darunter fallen Brände, Überschwemmungen und tragische Unglücksfälle. Später weitet Poelmann die Chronik auf die Umgebung, sogar auf das Paderborner Land aus.
1685 wird der Empfang des Fürstbischofs in Brakel ausführlich beschrieben.
Drei Jahre später findet der Brand von Dingelstädt sogar in dieser Chronik Erwähnung.
Poelmann führte die Chronik bis zu seinem Tod.
1694 feierte er sein Goldenes Priesterjubiläum. Nach der Hl. Messe hielt der Pastor eine Danksagung an die Erschienenen. Auch diese Danksagung ist im Kirchenbuch zu finden. Er berichtet, dass er nicht, wie bei seiner Primiz 1644 ein Convivium (= Gastmahl) halten will.
"solchs zu dieser armen hochbeschwerten Zeit sich nich schicken wil, da Hunger und Kummersnott so groß und überhandt genommen alß ich nie erlebet, zwar sind vil theuerung und hungersnot von meiner Kindheit biß hierhin gewesen, so ich wol kan beweisen .... Dahero ich aller weltlicher Pomp und Pracht, gastereien, essen und trinken wil eingestellet haben und nur gröst- und weltliche armen auch hungerleidende dieser Stat wil eingeladen haben morgen den 11. May, an welchem mein l. Mutter s. in dem hernn entschlafen, und ich dafür anniversarium sacrum funebre halten wil, alß dann wil eine geringe Almosen ihnen mitteilen, so sie wollen Vorlieb nehmen und mehr ansehen den guten Willen, alß die That."

Gerhard Poelmann starb noch im selben Jahr, am 27.12.1694.
50 Jahre verwaltete er die Pfarrei Erkeln.
Im Kirchenbuch ist folgende Eintragung zu seinem Tod zu finden:
[Ad Modum Reurendus Dominus S. Gerardus Pölman pastor huius parochiaeErkelensis obijt in Festo S. Joannis 27 Decembris post 12 horam circiternoctis, postquam 51 annis hui parochiae praehuisset ao 1694]


Von 1695 bis 1747 wirkte in Erkeln Pfarrer Johann Detmar Schmitz (* 14.09.1664 + 08.09.1747), gebürtig aus Borgholz. Seine Eltern hießen Hermann Schmitz und Anna Brautlejen. Johann Detmar Schmitz finanzierte den Kirchenbau aus eigenen Mitteln. 1722 wurde der Grundstein gelegt. Am 13.07.1744 wurde die Pfarrkirche dem heiligen Petrus in Ketten geweiht. Gleichzeitig mit der Kirchweihe feierte Schmitz sein Goldenes Priesterjubiläum.
Am Kirchenbau waren unter anderem Maurer aus Tirol beteiligt, die sich teilweise in Erkeln niederließen.
Die 1722 abgebrochene Kirche war ebenfalls eine Petrus-Kirche.
1741 ließ er in Beller eine Kapelle errichten. Ferner gründete er eine Rosenkranzbruderschaft.
Er ist als einziger Pfarrer in der Pfarrkirche beigesetzt worden. Sein Grab hatte er sich schon zu Lebzeiten vor dem Rosenkranz-Altar anfertigen lassen.
Später ist ihm von der Pfarrgemeinde ein Epitaphium in der Kirche geschaffen worden, das an den großen Wohltäter erinnert.

Sicher hat der Mann, der eine zierliche deutliche Handschrift hatte, der im Kirchenbuche so manche unbedeutende Nachrichten einstreute, über die großen Stiftungen, die er gemacht, schriftliche Nachrichten hinterlassen, namentlich über den Bau der Kirche und der Kaplanei, aber im Pfarr-Archive findet sich darüber nur die Abschriften seines Testamentes und der Stiftungs-Urkunde der Kaplanei. Sein Nachfolger schreibt im Kirchen-Buche: " Nach seinem Tode ist schrecklich gehandelt mit seiner Nachlassenschaft, auch sogar die Zäune eingerissen." Entweder ist damals, wo keine Aufsicht vorhanden war, von diesen Verwandten, die durch das Testament in ihren Hoffnungen sich getäuscht sahen, auch der schriftliche Nachlass des Pfarrers mitgenommen, oder aber derselbe ist während der unordentlichen Verwaltung des Pastors Fleckner während der Unruhen und Trubel des 7jährigen Krieges abhanden gekommen.

Pfarrer Schmitz baute zunächst die schöne Pfarrkirche sti Petri in vince etwas abseits der alten Kirche, schaffte das Inventar derselben, als Orgel, Altäre, Bänke, Glocken hinüber, verbesserte das Gehalt des Pfarrers, stiftete die Rosenkranz-Bruderschaft, und dotierte sie. Gegen Ende seines Lebens errichtete und fundierte er das Kaplanei-Beneficium, nach dem er an Stelle der alten Kirche aus den Bauresten ein Haus gebaut hatte, das im Erdgeschoss als Armenhaus, im Obergeschoss als Kaplanei diente. Fast gleichzeitig baute er die Kapelle zu Beller. Im Entwurf eines Gesuches um Genehmigung dieses Baues erklärte er, dass er dieselbe ganz auf eigene Kosten ohne Beiträge der Gemeinde baue; er dotierte sie überdies zur Unterhaltung für die Zukunft mit einem Cap. von 94 Thalern, und 100 Thaler gab er zum Pfarrfond, damit für deren Zinsen der Pfarrer darüber die Aufsicht führe. Der Pfarrer muss von Haus aus vermögend gewesen sein, sonst hätte er in der damals armen Gemeinde und bei dem kärglichen Gehalt solche Bauten und Stiftungen nicht leisten können, wenn er auch noch so sparsam und genau wirtschaftete. Er verwaltete die Pfarre 52 Jahre mit großem Segen, darum steht sein Andenken auch jetzt noch in Ehren.

Kurzer Rückblick:
Zeitraum 1644 bis 1747.
Erkeln hatte in 103 Jahren nur zwei Pfarrer. Beide feierten ihr Goldenes Priesterjubiläum.

Auf Pfarrer Schmitz folgte Christian Fleckner. Er war in Erkeln von 1746 bis zu seinem Tod im Jahre 1762. In seine Amtszeit fiel der Siebenjährige Krieg.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Christian Fleckner 1746 bis 21. Mai 1762. Von diesem Pfarrer ist wenig zu sagen. Seine Verwaltung fiel in die Zeit des 7jährigen Krieges, während dessen die Gemeinde oft hart heimgesucht wurde ("Schanze" am Hopfen-Berge, Lager der Gegner vor dem Stein-Berge). Das mag manche Unordnung in der Pfarre entschuldigen. Auch von ihm sind keine Aufzeichnungen, kein Lager-Buch vorhanden, nur das sehr nachlässig und unordentlich geführte Kirchen-Buch. Spuren seiner Wirksamkeit in der Gemeinde, die wiederholt schwer heimgesucht wurde, finden sich nicht. Er bemerkt im Kirchen-Buche: "1749 den 18 Aprilis morgens um halber fünf Uhren ist da hier ein schädlicher Feuersbrunst nahe bei hiesigem Kirchhof und Pastorat-Hause entstanden, also daß 17 Häuser dahier völlig dadurch eingeäschert, und wenn nicht Gott dafür gewesen und solches nicht ferner bewahret, mithin durch sonbahre Mithülf deren P.P. Capucinern und brakelschen Bürgern und Hembschen Einwohnern so schwer Feuersbrunst gerettet, so wäre das ganze Dorf im Feuer verblieben. Item ist zeitiger Pastor mit dem Sanctissimo ebenfalls herumgegangen und die dreimalige Benediction ertheilt. Post datam benedictisnem sanctissimi soppitum est incendium." Verschiedene Streitigkeiten mit der Gemeinde waren der Wirksamkeit des Pfarrers auch nicht förderlich. In einer Entscheidung des Archidiaconats-Gerichtes d.d. 7 März 1760 werden ihm verschiedene Bruchten-Strafen auf "viele für ihn geschehene Intercession und in Anbetracht des mühseligen Zeitlaufs" zur Hälfte erlassen. -In einem anderen Schriftstücke weigert die Gemeinde sich, das ruinierte Pfarrhaus herstellen zu lassen, weil der Pfarrer selbst dieses verschuldet habe dadurch, dass er während des Krieges seine Pferde in Stuben und Kammern verborgen habe - u.dgl.m. Er starb am 21. Mai 1762 und wurde zu Erkeln begraben.

Im Kirchenbuch steht zu seinem Tod Folgendes:

[21 Maji 1762 obiit plurimum Rdus Dominus Christian Fleckner Pastor hujus Parochia Erkelenses]

Sein Nachfolger wurde Johannes Everhard Hoberg (+ 1782), der zuvor die Pfarrstelle in Bosseborn bekleidete.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Johannes Everhard Hoberg 1762 bis 4. Juli 1782. Wiederum ein tüchtiger Pfarrer, der wieder Ordnung in die Seelsorge und Pfarrgeschäfte brachte. Er legte ein noch vorhandenes Lagerbuch an, in welchem er den Etat der Pfarre und die Messverpflichtungen des Pfarrers genau angibt. Urkunden der Letzteren sind freilich nicht vorhanden, auch scheinen sie nicht von der Behörde genehmigt zu sein. Hoberg ist geboren zu Beckum im Stifte Münster am 2. Februar 1730. Er gibt an: "Bei Jesuiten zu Münster habe ich studiert, absolutis studies wurde mir anno 1754 die Pastorat zu Bosseborn vom Abt Caspar Boeselager gnädigst conferiert, wo ich in den betrübten Kriegsjahren bis ad annum 1762 als Pastor gewohnt habe". Abt Phil. von Spiegel conferierte ihm 1762 die erledigte Pfarre Erkeln und Conrad Bard, Commissar des Archidiakon zu Paderborn erteilte die Investitur. Er klagte, er habe in Erkeln alles in größter Unordnung gefunden: die Pastorat kaum bewohnbar, die Ländereien verödet, die Wiese ein Gemeinde-Anger; kein Etat über Verpflichtungen und Stiftungen. Den im Lagerbuche dargestellten Etat hat er erst nach 12jähriger Wirksamkeit verfasst wegen der Schwierigkeit, darin Klarheit zu schaffen. Von besonderen Ereignissen in der Gemeinde berichtet er nur durch ein paar eingestreute Notizen im K.-Buche, so: 1765 den 30. August hat das Gewitter in unseren Kirchthurm geschlagen, das Schieferdach und auch die Kirchthüre verletzet; darauf folgte eine dem Feld und Dorf sehr schädliche Wasserflut". Ferner : "Am 7. Octob. 1769 ist das erste mal die neu angeordnete fahrende Post von Paderborn auf Brakel hier durch Erkeln passieret (nach Cassel)“. Er verwaltete die Pfarre 20 Jahre segensreich.

Der Eintrag im Sterberegister lautet:
[4to Julii pie obiit Plurimum Reverendus Dominus Joannes Everhardus Hoberg extremis rite munitus. Per 20 annos Pastor Erkelensis et ante per 8 annos Pastor Bossebornensis. Anno aetatis 53]

Unter Pfarrer Hoberg war Joseph Tillmann (aus Fürstenberg, Kreis Büren) ein Jahr Kaplan gewesen.
Er wurde 1782 Hobergs Nachfolger und bekleidete das Amt bis zu seinem Tod 1819.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Josephus Tillmann 1782 bis 1819 d. 20. Januar. Er war ein Jahr Kaplan zu Erkeln, wurde dann zum Pfarrer ernannt. Auch von seiner Hand finden sich keine Nachrichten über die Pfarre vor, er ist aber bekannt geworden durch das von ihm verfasste Gesang-Buch der Diözese Paderborn, welches bis in die 70ger Jahre im Gebrauche war. Viel beschäftigte er sich mit Unterricht und Fortbildung der Söhne von Gutsbesitzern der Umgegend, deren ich (=Pfarrer A. Fecke) mehrere gekannt habe. Gegen Ende seines Lebens wurde das jetzige Pfarr-Haus gebaut, während dessen Bau er in der Kaplanei wohnte. Er starb am 20. Januar 1819 und wurde zu Erkeln neben der Kirche beerdigt.

Im Kirchenbuch ist sein Tod – wie folgt – verzeichnet worden:
[20ma Januar circa 6tam vesp. Vigesima Januarii vespere circa Sextam. Plurimum Reverendus Dominus Josephus Tillmann anno uno Sacellanus triginta Sex pastor bonus Erkelensis. Pneumonia. J. Ostermann, Pastor in Bellersen. Bestattet 23 mane circa 10mam]

Auszug aus der Dorfchronik 1819

Der Herr Pastor zog in die Caplanei. Auf sein Alter machte der Umzug eine starke Einwirkung. Hinzu kam nun noch, als er am 10ten Januar des Sonntags auf`m Rückwege von Beller, wo er christliche Lehre gehalten hatte, die Nachricht erhielt: er möchte eilen, indem schleunig ein Kind zu taufen wäre, sich so chauffierte, daß er sich durch das Verweilen in der Kirche, die Lungenentzündung zuzog. Da er sich seit den Jahren die er hier gewesen, noch nie bedeutend krank gewesen war, so hielt er seinen Krankheitszustand nicht so gefährlich, als er war, und so auch - ob schon er geraten wurde- für unnötig, ärztliche Hilfe zu gebrauchen. Sein Zustand wurde aber immer schlimmer und zuletzt, da ärztliche Hilfe angewandt wurde, ward es zu spät. Am 17ten Jan.: des Sonntages, schleppte er seinen schon ganz abgematteten und zerfallenen Körper noch zur Kirche, und las für seine Pfarrkinder die letzte Messe. Nach Beendigung derselben, legte er sich zu Bett und stand nicht wieder auf. Am 20ten Jan.: nahm sein Zustand einen bedenklichen Charakter an. Da er mit der Abfassung seines Testaments noch nicht fertig war, so eilte man damit an diesem Tage, daß es von einer Gerichtsperson aufgenommen wurde. Er unterschrieb es mit schon gebrochenen Augen, und als er dies getan hatte, legte er die Feder hin, empfahl sich den Umstehenden, und entschlief am Abend um 6 Uhr sanft und ruhig. Am 23ten wurde seine Leiche vom Herrn Pastor Ostermann, zu Bellersen, zur Erde bestattet, und von demselben durch eine kraftvolle Rede dargethan, was die Pfarrgemeinde an dem Begrabenen verloren habe. Zahlreich war aber auch nach Gebühr das Gefolge von seinen verwaisten Pfarrkindern, und manche Träne floß, über den Verlust eines so guten Pastors. Er war ein Freund der Schule, besuchte dieselbe wöchentlich, und gab zu dem, Kindern aus der Umgegend, worunter sich sogar adliche befanden, noch Unterricht im Hause in der französischen und lateinischen Sprache und in anderen nützlichen Wissenschaften. Nach Kräften sorgte er auch für die Verschönerung unserer Kirche, wozu er viel aus seinem Vermögen hergab. Durch die Herausgabe seines Gesang- und Gebetbuches, welches beinahe an jeden Orte in der Diözese Paderborn eingeführt ist, hat er sich besonders verdient gemacht. Er ist hier 1 Jahr Caplan und 36 Jahre Pastor gewesen. Er erreichte ein Alter von 66 Jahren.

1819 erhielt wieder ein gebürtiger Brakeler die Pfarrstelle zu Erkeln.
Ignatz Stricker war Pfarrer in Erkeln bis 1843.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Ignatius Stricker 1819 bis 1.Dez. 1842, gebürtig aus Brakel. Er war oft durch die Krankheit gehindert und musste sich vertreten lassen. Viel Verdrießlichkeit bereitete ihm die Beleihung des Waldeier'schen Meiergutes mit Pfarr- und Kaplanei-Kapitalien. Das Gut musste subversiert werden, und der Pfarrer musste es ankaufen; nach und nach konnte es dann in kleinen Parzellen wieder verkauft werden, wobei die Fonds noch einigen Nutzen hatten. Wegen seiner Gutherzigkeit waren seine Pfarrkinder säumig im Bezahlen, blieben 6 bis 8 Jahre Zinsen und Pacht schuldig, worüber er öfter klagte. Er starb an Auszehrung nach langwieriger Krankheit im väterlichen Hause zu Brakel am 1. Dec. 1842, wurde aber in Erkeln beerdigt.

Der entsprechende Eintrag im Sterberegister:
[Herr Ignatz Stricker, circa 24 Jahr Pastor in Erkeln, 54J. Abzehrung nach langwieriger Krankheit starb er in Brakel, wo er die letzten 23-24 Wochen in seinem väterlichen Hause sich befand]

Ferdinand Gaucksterdt,
gebürtig aus Stukenbrock war Pfarrer in Erkeln von 1843 bis 1879.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Ferdinand Gauksterdt von März 1843 bis 8. Aug. 1879. Er studierte nach Absolvierung des Gymnasiums einige Jahre in Rom, war dann Kaplan in Neuenkleusheim und wurde am 1. März 1843 Pfarrer zu Erkeln. Während seiner Verwaltung wurde die Separation der Grundstücke der Erkelner Flur und daran anschließend die Ablösung der auf derselben ruhenden Reallasten, als Heuer, Wechselheuer, Eier, Hühner etc. Da der Grundbesitz aus vielen kleinen Parzellen bestand, war die Zusammenlegung für die Pfarre von großem Nutzen, machte aber für den Pfarrer viele Schreibereien notwendig. Durch Recess vom Jahre 1867 wurde die Separation der Grundstücke und durch die Recesse von 1882 die letzten Ablösungen vollzogen. Die Recesse befinden sich im Pfarr-Archiv. Vom 2. - 3. October 1858 entstand in der Scheune des Besitzers Watermeyer (jetzt Pott) ein Brand, der durch starken Wind angefacht, in kurzer Zeit 58 Häuser, den westlichen Teil des Dorfes, einäscherte. Der Pfarrer stand an der Spitze eines Komitees zur Unterstützung der Abgebrannten, die Kollekten brachten aber verhältnismäßig wenig ein. Bei Anfertigung des Retablissements-Planes der Neubauten wurden die Kreisstraßen nach Tietelsen und Beller festgelegt und demnächst nebst Brücke, ausgebaut. Gauksterdt wurde geboren in Stukenbrock 1. Januar 1806, starb am 8. Aug.1879.

Im Sterberegister von Erkeln findet sich folgender Eintrag:
[Johannes Ferdinand Theobald Gaucksterdt, Sohn des Lehrers Joseph Gaucksterdt und der Christina Linnemann zu Stuckenbrock, geb. 01.01.1806. Pastor seit dem 3. März 1843 in Erkeln. Zum Priester geweihet am 3.April 1831 als Alumnus des Collegii Germaniis zu Rom. 73J.7M.8T.Altersschwäche]

Zwischen 1879 und 1885 war die Pfarrei Erkeln vakant.
Die Pfarrgemeinde wurde in dieser Zeit seelsorglich durch Pastor Wille aus Brakel betreut.

Ausführungen von Pfarrer Anton Fecke

Nach dem Tode des Pfarrers Gauksterdt trat zunächst ein Interreium ein, da die Stelle wegen der Mai-Gesetze von 1873 nicht wieder besetzt werden konnte. Die Pfarrkinder mussten den Gottesdienst in Brakel aufsuchen. Die Kirchen-Bücher wurden von Pfarrer Wille zu Brakel geführt. Als die strenge Durchführung der Gesetze etwas nachließ, hielt der Rector Huckemann von Brakel heimlich den Gottesdienst und spendete die hl. Sacramente. Er fand die Anhänglichkeit der verwaisten Gemeinde und wirkte recht segensreich.

Von 1885 bis 1909 war Anton Fecke aus Germete Pfarrer in Erkeln.
Bis in seine Amtszeit fällt die Bearbeitung des Ortsfamilienbuches.

Anton Fecke in Erkeln 1885 - 1909

Lebenslauf

„Ich bin geboren zu Germete im Kreise Warburg am 14. Juli 1835, absolvierte zunächst das Progymnasium zu Warburg (die Fortsetzung der Klosterschule der Dominicaner) mußte aber das Studium wegen Kränklichkeit (mehrmaliger Blutsturz) aufgeben und lernte und betrieb die Landwirtschaft auf dem väterlichen Gute. Nach 3 Jahren, hinlänglich gekräftigt, begann ich das Studium von Neuem, absolvierte 1858 das Gymnas. zu Paderborn, studierte 1 Jahr Philosophie zu Münster, 2 Jahre Theologie zu Paderborn und trat dann in das dortige Priester-Seminar. Ostern 1863 wurde ich vom Hochw.Bischofe Conrad zum Priester geweihet und erhielt an demselben Tage den Auftrag zur Gründung und Verwaltung der Missionspfarre Bad Oeynhausen. Nachdem ich dort bis Herbst 1867 in Seelsorge und Schule gewirkt, war ich gesundheitlich so reduziert, daß ich die liebgewordene Stelle aufgeben und um dauernden Urlaub nachsuchen mußte; der Bischof verweigerte mir den Urlaub und sandte mich auf die leichte Kaplanei-Stelle der Altstadt Warburg, die ich bis Herbst 1869 verwaltete. Im Juni 1869 erhielt ich vom General-Vicariate die Verfügung: ich sei vom Patron Grafen Bogoltz (ohne mein Ersuchen) für die erledigte Pfarrstelle zu Alme präsentiert; da ich aber das Pfarr-Examen noch nicht gemacht hätte, könne und wolle man mir die prov. Verwaltung übertragen, bis ich das Examen gemacht hätte. Ich machte das Examen folgenden Frühjahr, erhielt darüber ein Certificat mit dem Prädikate "Gut", aber durch ein Versehen des Generalvik.-Secretairs Bade (wie er mir später gestand) nicht die canon. Anstellungs-Urkunde und es unterblieb auch die Investitur. Kurz nach Inkrafttreten der Maigesetze im Juli erhielt ich die Urkunde ohne mein Nachsuchen zugesandt, aber gleich darauf auch die Verfügung des Ober-Präsidenten Kühlwetter: "Die vom Bischofe ihm eingesandte, mir zugestellte Urkunde sei ungültig, weil nicht unter Beobachtung der Maiges. geschehen; ich habe mich jeder Ausübung Pfarramt. Verrichtungen zu enthalten."Ich protestierte dem Landrat gegenüber in einem Protokoll gegen diesen Eingriff, ich sei auf Präsentation des Patron nach Erfüllung der Bedingung des Examens schon definitiv angestellt, die Maigesetze fänden daher auf meine Anstellung keine Anwendung. Auch Graf Bocholz, obgleich Altkatholik, protestierte sofort bei Cultus-Minister gegen diesen Eingriff in seine Patronatsrechte. Beide Proteste wurden abgewiesen und nun die Sperrung definitiv eingeführt. Ich fuhr nun sofort nach Germete, übertrug gerichtlich meiner Schwester meinen dortigen Hof und jegliches Vermögen, und versah dann mein Amt weiter, als sei nichts geschehen. Damit man meinen Kaplan nicht auch sperren sollte, sofern er in meinem Auftrage handele, ließ ich ihm keine pfarramtl. Verrichtung vornehmen, auch keine Predigt halten. Nun aber begannen die vielen Vegetationen, welche ein Jahr hindurch meine Gesundheit so zusetzten, daß ich zuletzt am fortwährendem Blut-Husten litt. Zunächst wurde ein 3ter Gendarm nach Brilon gesandt, der täglich mich Beaufsichtigen und überall mein Thun Bericht auf dem Landraths-Amte erstatten mußte. Der Staats-Anwalt stellte dann auf Grund der vom Ober-Präsidenten ihm zugesandten Berichte jedesmal von mehreren Monaten die Pfarr-Handlungen zur Anklage, erst in Brilon, dann in 2. Instanz in Arnsberg. Ich verteidigte mich jedes Mal an beiden Orten selbst und erstritt Freisprechung. Endlich, genau ein Jahr nach der Sperrung, wurde ich an einem Tage dreimal verurtheilt vom Obertribunal, je zu einer Woche Gefängnis, welche Strafe ich dann später in Warburg richtig verbüßt habe, während mein Bischof wegen derselben Sache 6 Wochen im Gefängnisse zu Paderborn zu verbüßen hatte. In der Folge habe ich noch oft vor dem Gerichtshofe in Brilon und Arnsberg erscheinen müssen, um gegen Anklagen mich zu verteidigen, so wegen Beseitigung öffentlicher Urkunden (der Kirchen-Bücher), wegen Beseitigung des Meßstiftungsfonds, wegen Einmischung in Schul-Angelegenheiten und dergl. mehr. Es wurde mir dann jedes Mal mit der gerichtlichen Vorladung ein Paß der Regierung zu Arnsberg zugestellt, die Gendarmen auf den Bahnstationen durch Circular angewiesen, zu verhindern, daß ich unterwegs den Zug verließe, und in Brilon und Arnsberg wurde ich dann von 2 Gendarmen in Empfang genommen, die überall hin mir folgten, bis ich wieder abfuhr. Nach Zustellung der 3 Erkenntnisse des Obertribunals wurde ich aus den Kreisen Büren, Brilon, Meschede und Lippstadt ausgewiesen und bei vorkommendem Bannbruch mir die Ausweisung aus dem Reiche angedroht. Darauf wurde ich durch den Amtmann von Brilon gewaltsam aus meiner Pfarre mit Hülfe von 3 Gendarmen entfernt, nach Bredelar gebracht, wobei meine ganze Gemeinde bis dahin mir das Geleit gab, Frauen und Kinder auf 13 Leiterwagen, die Männer zu Fuß. In Germete war mir gestattet, bei verschlossenen Thüren das heil. Messopfer darzubringen; da aber bald darauf auch diese Gemeinde durch den Tod des Pfarrers Wiedemeyer verwaiset wurde, ließ ich es darauf ankommen, ob ich verfolgt würde, verwaltete, natürlich ohne kirchl. Auftrag und ohne Gehalt, die Stelle bis zum 10. Februar 1885 - 11 Jahre lang. Am 10. Februar 1885 übernahm ich auf Weisung des General-Vicariats die Verwaltung von Erkeln; als "Hilfsseelsorger auf Widerruf", die damals nur mögliche Art der Anstellung. Erkeln war seit 1879 verwaiset, aber heimlich vom Rector Huckemann aus Brakel notdürftig verwaltet. Auf meinen Antrag wurde mir dann, nach Verzicht auf meine Pfründe Alme, die Pfarrstelle Erkeln durch Urkunde vom 20.August 1886 des Bischofs Caspar Drobe unorisch conferiert, die Investitur erhielt ich durch General-Vicar Berhorst. Im Vorstehenden habe ich etwas ausführlich meine Theilnahme am Kulturkampfe dargestellt, nicht, weil es mir Vergnügen macht, mich an alle die Bitterkeiten jener Zeit zu erinnern, sondern weil ich sehe, daß die jüngeren Confratres von den Verfolgungen und Rücksichtslosigkeiten jener Zeit keine Vorstellung mehr haben. "Memiss jurat"! Jene Zeiten können leicht wiederkehren.!“


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Andreas Köring