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Ortsfamilienbuch Hermannstein (Deutsch Kamitz)

 Ansichtskarte Hermannstein
"Dörfer im südlichen Kreis Neisse" aus der Schrift von Irmgard u. Manfred Rieger: "Deutsch Wette", Ludwigshafen 1985"
Skizze von Hermannstein und seinen Bewohnern vor 1945

Das Dorf Hermannstein in Oberschlesien liegt 10 km südwestlich von der Kreisstadt Neisse im Regierungsbezirk Oppeln. Bis 1936 hieß der Ort Deutsch Kamitz (polnisch Kepnica).

Auf der Suche nach den eigenen Vorfahren in Hermannstein und Umgebung entstand der Wunsch, ein Ortsfamilienbuch zu erstellen. Mit der vorliegenden Datensammlung ist ein Anfang gesetzt (Stand: Dez. 2018). Enthalten sind auch Familien aus umliegenden Dörfern – besonders Winsdorf und Neuwalde. Eine vollständige Auswertung verfügbarer Quellen ist jedoch nur für Hermannstein  vorgesehen.

Wichtigste Quellen sind die Kirchenbücher (Mikrofilme der Mormonen).
Von der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Hermannstein sind verfügbar:

1726 – 1766 Taufen und Trauungen
1830 – 1908 Taufen und Bestattungen (mit Unterbrechungen)
1830 – 1945 Trauungen
                Es fehlen: 1767-1829 Taufen, Trauungen, Bestattungen
                                    1877-1881 Trauungen und Bestattungen
                                    1883-1887 Bestattungen
                                     ab Juni 1908 Taufen

Ziel ist es, alle Personen zu erfassen, die in Hermannstein geboren und gestorben sind und dort geheiratet haben. Da Kirchenbücher für einen Zeitraum von über 60 Jahren fehlen, ist eine Verknüpfung von Familien oft nicht möglich
Die Datensammlung soll in Abständen ergänzt werden, und es ist zu hoffen, dass viele Leser dieser Seite dazu beitragen können, mit Daten aus ihrer Familienforschung Lücken zu schließen.

Zu den Daten:
•    Bis ca. 1766 findet sich in den Kirchenbüchern nicht der Tag der Geburt und des Todes, sondern lediglich der Tag der Taufe und der Bestattung. Bei den Personendaten wird darauf nicht mehr hingewiesen, es gilt aber, dass bis 1766 die Geburts- und Sterbeangaben  tatsächlich Tauf- und Bestattungstage sind,
•    Bei Heirat von auswärtigen Personen wird in den Kirchenbüchern meist auch der Herkunftsort genannt. Dieser wird in den Ortsfamilienbüchern als Geburtsort übernommen.
In den meisten Fällen ist dieser Hinweis für die Weiterforschung sehr hilfreich, er kann aber auch in die Irre führen. Nicht selten wird nämlich als Herkunftsort der Wohn- oder Arbeitsort zum Zeitpunkt der Heirat genannt, in dem die Person aber nicht zwangsläufig geboren sein muss. Wenn zum Geburtsort nicht zusätzlich ein genaues Geburtsdatum angegeben ist, sondern nur ein geschätztes Geburtsjahr, wird empfohlen, die Geburt in diesem Ort zu überprüfen.

Dank gilt allen, die selbstlos ihre Dokumente zur Verfügung gestellt und mit ihren Informationen zur Erweiterung des OFB beigetragen haben.
Bei allem Bemühen um Sorgfalt in der Übertragung der Daten können Fehler unterlaufen sein, Korrekturhinweise sind erwünscht.

Über den Ort 
Quelle der folgenden Kurzbeschreibung: Franz-Christian Jarczyk: „Die Dörfer des Kreise Neisse“, 3. Auflage 2012, Selbstverlag des Neisser Kultur- und Heimatbundes ev.V. Hildesheim

Hermannstein, ein Straßendorf 10 km südwestlich von Neisse, liegt an der Straße über Heidau, 270 m über NN im Oppersdorfer Hügelland.
Die Station der Neisser Kreisbahn an der Strecke nach Steinau befand sich im Tal unterhalb des Dorfes, eine Omnibuslinie führte durch das Nachbardorf Heidau, eine Poststelle war im Ort.
Das Dorf „duo Cameniza“ wird erstmals 1284 unter den 65 strittigen Orten genannt.
Nach dem Lib. Fund. (um 1300) besaß „Kempnitz magnum“ (= Groß Kamnitz) 59 kleine Huben, von denen die Kirche 1 und der Scholze 10 hatten. Anfang des 15. Jahrhunderts hieß der Ort Kempnytz theutonica = Deutsch Kamitz; dieser Ortsname wurde 1936 in Hermannstein geändert. Das Dorf ist eine reindeutsche Siedlung „auf grüner Wiese“ gewesen. In der Dorfmitte hatte ein steinerner Wehrturm mit einer Grabenanlage gestanden.

Hermannstein (Bürgermeister 1935 und 1942: Bauer Heinrich Teuber) war Sitz des Amtsbezirks (zuständig auch für Heidau) und des Standesamts; der Gendarmerie-Amtsbereich war in Altewalde. Im Ort war eine Station der Grauen Schwestern, 1909 gegründet; 1925 besuchten 48 Kinder die Spielschule. Das Dorf hatte eine Freiwillige Feuerwehr. Zur Dorfgemeinde gehörten die Kolonien Buschberg und Sandberg.

Ein Pfarrer wird erstmals im Jahr 1286, die katholische Kirche (Patrozinium Mariä Himmelfahrt) zuerst im Lib. Fund. (um 1300) erwähnt. Hermannstein gehörte zu den reichen Pfarreien, die Pfarrwidmut war mit 113 ha im Ort und 27 ha in Heidau, das auch zum Pfarrsprengel gehörte, wohl die größte in Oberschlesien. Teile der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert. 1685 stürzte der Turm ein, der bald wieder aufgebaut wurde.
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche umgebaut. An der Außenmauer befindet sich für einen 1317 gestorbenen Pfarrer Hermann ein Grabstein, der aus Großkunzendorfer Marmor hergestellt und der älteste Grabstein Schlesiens ist. Eine 135 kg schwere Glocke ist von 1526, eine weitere ist älter. Jungkirmes und Gelöbnistag war am 26.6., Altkirmes am 2. Sonntag im Oktober. Pfarrer waren 1895-1908 Karl Schneider, 1908-1917 Franz Kopetzky, 1917-1945 Paul Völkel. Die evangelische Kirche war in Neisse.

Für 1640 wird ein Kirchschreiber genannt, der Knaben unterrichtete und vierteljährlich für jeden Schüler 4 „Böhm“ bezog. Für 1784 wird ein Schulmeisterhaus angegeben. Das zweistöckige Schulhaus stammt von 1850. Im Jahr 1925 besuchten 90 Kinder die zweiklassige Schule. Unterricht gaben 1925 Lehrer Alfred Vogt, Lehrer Otto Kandler; 1935 und 1939; Hauptlehrer Johann Glatzel, Lehrer Reinhold Kappel.

Die Gemeindeflur ist 1055 ha groß. Das Rittergut (53 ha) war während langer Zeit bis kurz vor 1914 im Besitz der Familie May, danach bei der Familie Globisch. Die Erbscholtisei (45 ha) gehörte der Familie Birnbrich. Der Erbhof (25 ha) der Familie Jitschin war seit 1649 nachweislich im Familienbesitz.
Die Anzahl der Einwohner mit Häusern und Haushalten war:
1784:      69 Stellen
1845:    761 Einwohner, 121 Häuser
1895:    715 Einwohner, 122 Häuser, 164 Haushalte
1939:    655 Einwohner, 148 Haushalte

Im Dorf gab es 1937: 1 Bäcker, 1 Fleischer, 2 Gasthöfe, 2 Gemischtwarenläden, 1 Mühle,
2 Schuhmacher, 2 Stellmacher, 2 Tischler, 1 Ziegelei, 1 Spar- und Darlehenskasse.

Die Dorfbewohner hatten ihren Ort am Ende des Krieges nicht verlassen. Als russische Truppen ins Dorf kamen, verwüsteten sie die Kirche; die Orgel wurde zerstört, der Altar geschändet, Kelche und Paramente auf den Feldern verstreut. Die männliche Bevölkerung zwischen 14 und 60 Jahren wurde verschleppt. Die Polen vertrieben dann am 7.10.1945 binnen 1 Stunde die noch verbliebenen Einwohner. Jeder durfte 10 kg Gepäck mitnehmen. Zu Fuß mussten alle über Heidau-Preiland nach Neisse ziehen. Dort wurden sie in den Kasematten der alten Festungsanlagen festgesetzt, bis sie in Viehwaggons nach dem Westen transportiert wurden. Viele kamen in dieser Zeit um.


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Fragen zu den Daten, Ergänzungen und Korrekturen bitte an den Bearbeiter dieses Ortsfamilienbuches:
Monika Noack