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Ortsfamilienbuch Steubendorf

Steubendorf liegt im Kreis Leobschütz, Regierungsbezirk Oppeln, in Oberschlesien. Die Einwohner waren konvessionell gemischt, die evangelischen Bewohner waren nach Pommerswitz eingepfarrt, während die Katholiken eine eigene Pfarrgemeinde bildeten. Die Kirche bestand schon vor der Kirchentrennung. Damals soll Steubendorf ein Pfarramt  und Gläsen eine Filiale von Steubendorf gewesen sein. Ab 1902 hatte Steubendorf ein eigenes Standesamt.

Über die Erforschung meiner eigenen Familie bin ich dazu gekommen, die zu Pommerswitz und den Nachbarorten verfügbaren Unterlagen systematisch auszuwerten.  Für Steubendorf sind die Kirchenbücher verloren gegangen, es stehen nur noch Standesamtsunterlagen zur Verfügung, die komplett bis zum Jahr 1910 im Staatsarchiv in Oppeln liegen. Grundlage dieses Ortsfamilienbuches sind jedoch die von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) verfilmten Standesamtsbücher sowie Daten befreundeter Familienforscher (siehe Quellen).

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde die Bevölkerung von Steubendorf vertrieben. Dieses Ortsfamilienbuch zeichnet für diese Zeit den Verbleib der ehemaligen Familien nach, während die Neubesiedlung mit polnischen Einwohnern nicht Inhalt dieses Ortsfamilienbuches ist.

Postkarte: Gruß aus Steubendorf Übersichtskarte
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Geschichte (Stand 1914)

(Quelle: Heimatkunde des Kreises Leobschütz. Geschichtliches der einzelnen Ortschaften des Kreises Leobschütz mit 111 Abbildungen und Plänen, Robert Hofrichter, Leobschütz, 1914. Seite 599-605)

LageplanDieser Ort hieß 1377 Stiboricz, auch Stiberndorf und Stäberndorf, 1434 Steboczicze, 1678 Stubendorf. Der Name stammt von dem Personennamen Scibor (Czesc = Ehre, bor = Kampf= den Kampf ehrend. Nach vorhandenen, alten Urkunden war Steubendorf ein landesherrliches Lehen und gehörte wie Gläsen zum Herzogtum Oppeln. Noch 1666 wird es ein solches genannt.  Von herrschaftlichen Grundstücken war bis 1806 das „Lehdenvorwerk“ (Lehde = unbebautes Land) vorhanden, das zur Herrschaft Gläsen gehörte. Das Lehdenvorwerk lag auf dem sogenannten Lehdenberge, über den zur Zeit ein Fußweg nach Königsdorf führt. Von Gebäulichkeiten waren eine Wohnung für den Schaffer, eine Scheune und ein Schafstall vorhanden. Die Feldbestellung besorgten die fronpflichtigen Bauern von Steubendorf.

Nach Verkauf des Gutes im Jahre 1806 an mehrere Dorfinsassen hatten diese als Ablösung von den Diensten einen Zins, den „Vorwerkzins“ zu zahlen. Die Befreiung auch von diesem Zins wie von anderen erbuntertänigen Pflichten erwirkte die Gemeinde in den Jahren 1822 und 1834 durch Zahlung einer Rente, die im Jahre 1855 abgelöst wurde und 1908 zu Ende ging. Damals war der Leobschützer Kaufmann Anton Forni, der sich vielfach mit Kauf und Verkauf von Gütern beschäftigte, Herr von Gläsen. Mauerreste einer ehemaligen Burg will man in den Gärten der heutigen Besitzer Purschke und Pohl gefunden haben.

1783 gab es in Steubendorf 31 Bauern, 18 Gärtner und 33 Häusler; heute sind 23 Bauern, 42 Gärtner und 45 Häusler vorhanden. Von den beiden Wassermühlen besteht die eine schon seit Jahrhunderten, während die zweite erst 1860 errichtet wurde. Die Steubendorfer Grundstücke haben zusammen eine Fläche von 795 ha. Die Seelenzahl betrug im Jahre 1783 625, 1855 749, 1890 838, 1910 738.

Die ehemalige Erbrichterei befand sich an der Stelle des heutigen Leßmannschen Gasthauses. Die Grundstücke erwarben sechs Besitzer aus Steubendorf. Das Gebäude mit Schankgerechtigkeit kaufte 1881 Leßmann in Karlsberg, der einen Neubau ausführte.

Chausseeanschluß bekam der Ort 1891. Der Bahnhof Steubendorf und die Postagentur bestehen schon seit 1876. Am 1. November 1913 wurde dieser auch die Bestellung der Orte Alt Wiendorf, Neu Wiendorf, Amaliengrund und Karlsberg zugewiesen, die bis dahin ihre Postsachen von Pommerswitz aus erhielten. 1896 wurde die Spar- und Darlehnskasse gegründet. Eine Feuerspritze besaß Steubendorf früher mit Gläsen zusammen; seit 1912 hat der Ort eine solche allein. Die Molkerei entstand 1908. Die Umlegung der Grundstücke erfolgte im Jahre 1852, die der Wiesen aber erst 1911. Das Gemeindesiegel zeigt eine Pflugschar mit einer Sense. Eingemeindet war bis 1900 an die Leobschütz-Hotzenplotzer Chaussee liegende Kolonie Karlsberg. Jetzt gehört diese zu Amaliengrund.

Eine Seltenheit in unserer Gegend ist der in einem Steubendorfer Gebüsch zu findende Aronsstab. Zum Schutze der Pflanze will ich den Standort verschweigen.

Kirchliches

Die Kirche in SteubendorfDie Einwohner von Steubendorf sind konfessionell gemischt. 1860 waren 447 katholisch und 372 evangelisch; gegenwärtig bekennen sich 440 zur katholischen und 298 zur evangelischen Lehre. Die evangelischen Einwohner sind nach Pommerswitz eingepfarrt, während die Katholiken eine eigene Pfarrgemeinde bilden. Die Kirche bestand schon vor der Kirchentrennung. Damals soll Steubendorf ein Pfarramt  und Gläsen eine Filiale von Steubendorf gewesen sein. Diese Annahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man die Größe der Widmut in Betracht zieht: Steubendorf besitzt 18,09 ha,  Gläsen nur 8,69 ha an Pfarrgrundstücken.  Freilich können die Pfarrgrundstücke von Gläsen in der Reformationszeit von der Gutsherrschaft eingezogen oder verkauft worden sein, wie das mancherorts der Fall war. Eingepfarrt ist die Kolonie Karlsberg.

Die heutige Kirche wurde im Jahre 1602 – also zu protestantischer Zeit – von den damaligen Gutsherren von Gläsen und Steubendorf, den Brüdern Christoph und Georg von Tschetschav, denen auch Schweinsdorf, Kreis Neustadt, gehörte, erbaut. Über dem Haupteingang befindet sich das Wappen der Erbauer mit der Inschrift. Anno 1601 ist zur Ehre und zum Preise des allmächtigen Gottes und der Hl. Dreifaltigkeit bei Zeiten und Anordnung der edlen gestrengen und ehrenwerten Herren Christoph Balthasar Hansen und Georgen Gebrüder von Tschetschav, Metgen genannt, auf Glaesen, Schweinsdorf und Steubendorf dieser Bau angefangen und im Jahr 1602 vollbracht worden.“ Leider hat man bei der Ausbesserungsarbeit im Jahre 1912 Wappen und Jahreszahl übertüncht.

Das Gotteshaus erhielt die Weihe zur Hl. Dreifaltigkeit, die auch auf dem Hochaltarbilde zur Darstellung kommt. Die Seitenaltäre sind der Mutter Gottes und dem hl. Joseph zu Ehren errichtet. 1862 fand eine gründliche innere und äußere Ausbesserung der Kirche statt. Der damals noch vorhandene Brettergiebel wurde durch einen gemauerten ersetzt, und der Turmknopf erhielt eine neue Vergoldung. Die Orgel stand früher in der alten Kirche zu Gläsen. Als dort 1867 für das neue Gotteshaus auch ein neues, größeres Werk angeschafft wurde, erwarb die katholische Kirchengemeinde von Steubendorf die alte Orgel für 300 Tlr. 1905 kam es zur Anschaffung einer Turmuhr mit zwei Zifferblättern, wozu der Gemeindevorsteher Pohl 400 M. stiftete. Taufstein und Kanzel stammen aus dem Jahre 1907.

In den Jahren 1912 und 13 erfolgte wiederum eine umfangreiche Ausbesserung der Kirche. Sie wurde ausgemalt und mit neuen, bunten Fenstern versehen. Der an der  Nordseite befindliche kleine Chorraum erhielt einige Sitzbänke und einen Zugang von außen. Die Nässe der Wände wurde durch Einfügung einer Isolierschicht beseitigt. Im Jahre 1914 wurden alle drei Altäre erneuert. Den Hochaltar stiftete der bereits erwähnte Ortsvorsteher Joseph Pohl.

Zur Zeit der Gegenreformation wurde Steubendorf Filialort von Gläsen und blieb es bis 1901. Gottesdienst fand nur jeden dritten Sonntag statt, doch wurde an einem bestimmten Wochentage regelmäßig eine hl. Messe gelesen. Das Streben der Gemeinde nach einem eigenen Geistlichen hatte endlich im Jahre 1898 Erfolg. In diesem Jahre genehmigte das Bischöfliche Amt, nachdem seitens der katholischen Einwohner für ein hinreichendes Pfarreinkommen und ein neues Pfarrhaus (Herr von Prittwitz und Gaffron steuerte 3000 M. bei) gesorgt worden war. 1898 erhielt die Gemeinde einen Pfarrverweser und 1901 einen selbständigen Pfarrer.

Das einstige Pfarhaus bestand aus hölzernen, mit Lehm ausgeworfenen Wänden und enthielt nur eine Wohnstube mit Kammern; 1896 wurde es niedergerissen und das heutige errichtet.

Der Kirchhof diente für die Verstorbenen beider Bekenntnisse als Friedhof. Die Evangelischen wurden auf dem südlichen Teile beerdigt. 1886 legte die Gemeinde südlich vom Dorfe einen neuen, paritätischen Friedhof an. Ein breiter Gang teilt ihn in eine östliche und eine westliche Hälfte. Auf jener werden die Katholiken, auf der dieser die Evangelischen bestattet.

Als Seelsorger waren bisher in Steubendorf angestellt: Bernhard Jansch 1898-1902 Edmund Kayser 1902-1906, die Administratoren Strzybny und Piecha 1906-1907, Paul Forgber 1907-1911, wiederum Edmund Kayser 1911 bis heute.

Die katholische Volksschule

Sie wurde um das Jahr 1765 gegründet. Das alte, hölzerne Schulhaus, das 1832 niedergerissen wurde, enthielt eine Schulstube von nur 20 qm Fläche. Ebenso groß war die einzige Wohnstube des Lehrers. Im Jahre 1820 wurde die Wand zwischen den beiden Stuben entfernt und dadurch ein größeres Schulzimmer gewonnen. Für den Lehrer richtete man aus dem Stall und der Kammer eine Wohnstube her. Dieses Schulhaus war zwar aus Steinen und Ziegeln erbaut, trug aber nur ein Schindeldach, und der Keller stand stets unter Wasser. Eine zweite Stube erhielt der Lehrer bei dem Umbau im Jahre 1850. Als 1911 die Anstellung eines zweiten Lehrers notwendig wurde, baute die Gemeinde ein neues Schulhaus. Dieses enthält zwei Lehrzimmer und auch zwei Lehrerwohnungen. An Schulgrundstücken sind 1,57 ha vorhanden.

Eine ländliche Fortbildungsschule wurde hier 1908 gegründet und mit 25 Schülern eröffnet.

Schulstiftungen für arme Kinder bestehen vom Pfarrer Klose und vom Amtmann Gottfried Willisch aus Gläsen.

Als Leiter der katholischen Schule waren bisher tätig: Gottfried Marmetschke bis 1780, Thaddäus Aulich 1780-1808, Johann Smarsly 1808-1850, Benjamin Filke 1850-1864 (in den letzten 7 Jahren war Filke beständig krank und wurde durch Adjuvanten vertreten, denen er Kost und Wohnung zu gewähren hatte. Sein Sohn war der bekannte Komponist Max Filke, gest. 1912 als Kgl. Musikdirektor und Domkapellmeister in Breslau), Robert Arndt 1864-1873, Thomas Münzer 1873-1907, Eduard Scharberth 1907-1910, Johann Schimke 1911 bis heute.

Ortsschulaufsicht führten: der Pfarrer von Gläsen bis 1874, von Prittwitz 1874-1894, der Kgl. Kreisschulinspektor 1894 bis jetzt.

Vor der Anstellung der weltlichen Kreisschulinspektoren im Jahr 1873 übte hier der Erzpriester des Dekanats Neustadt die Kreisschulinspektion aus, da Steubendorf kirchlich zu jenem Dekanat gehört.

Die evangelische Schule

Die evangelische Schule wurde 1765 gegründet. Der erste Schulhalter, namens Matz, hatte das Weberhandwerk gelernt. Bei Begräbnissen war er zugleich Vorsänger. Das alte Schulhaus stand im Garten des jetzigen Häuslers Karl Peschke und enthielt nur eine kleine Lehrstube und eine Wohnstube für den Schulhalter. Die Schülerzahl betrug damals 20. Im Jahre 1789 errichtete man auf einem freien Angerplatze an der Südseite des Dorfes ein neues Schulgebäude. Aber auch dieses erwies sich bei dem beständigen Wachstum der Schülerzahl bald als zu klein. 1831 wurde die Schulstube und 1838 auch die Lehrerwohnung durch einen Anbau vergrößert. 185 zählte die Schule 72 Kinder. Ein neuer Schulbau wurde ins Auge gefaßt, der allerdings erst 1888 zur Ausführung kam. Die Kosten, zu denen die Kgl. Regierung 10 000 M. beisteuerte, beliefen sich auf 15 000 M. Im Jahre 1904 wurde das Gebäude, das nur aus einem Geschoß besteht und ein Lehrzimmer und eine Lehrerwohnung enthält, innen und außen gründlich ausgebessert. Bei der Grundstückumlegung 1852 teilte man der Schule 2,13 ha Acker zu. Eine Schülerbücherei besteht seit 1887. Ortsschulinspektor ist der Pastor in Pommerswitz, Kreisschulinspektor der Superintendent in Leobschütz.

Die bisherigen Schulleiter waren: Matz 1765-1820, Kape 1820-1833, Heinrich Müller 1833-1837, Gustav Hoheisel 1837-1853, Gottlieb Schäfer 1853-1881, Wilhelm Gilge 1882-1886, Karl Radzey 1886-1912, Gottfried Lichtblau 1912 bis heute.

Detaillierte Quellenangaben:
  1. Standesamt  Pommerswitz: Geburten, Heiraten und Verstorbene: 1874-1884 (auf Mikrofilmen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage - Mormonen). Es fehlen die Hochzeiten 1876-1877.
  2. Daten privater Familienforscher

Mein Dank für ihre Unterstützung bei der Erstellung gilt Uta Bothe, Dr. Claus Christoph, Jörg Räker und Rudolf Mehr. Dr. Albert Emmerich hat mir geholfen, dieses OFB für die Online-Veröffentlichung aufzubereiten.

Wegen der unvollständigen Quellen ist dieses OFB sicherlich nicht vollständig oder abschließend. Über Ergänzungen oder Korrekturen würde ich mich freuen.


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Fragen zu den Daten, Ergänzungen und Korrekturen bitte an den Bearbeiter dieses Ortsfamilienbuches:
Wolfgang Schiller


Niedersächsischer Landesverein für Familienkunde e.V.