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Ortsfamilienbuch Bleistadt

Bleistadt, gelegen im Egerland zwischen Karlsbad und Eger am Südhang des böhmischen Erzgebirges, wurde im Jahre 1523 von Graf Stephan Schlick gegründet. Für die Grafen Schlick wurde dringend Blei für die Silberverhüttung im nahen St. Joachimsthal benötigt. Den Bergleuten Bleistadts wurden diverse Freiheiten eingeräumt wie etwa die persönliche Freizügigkeit und die handwerkliche Gewerbefreiheit, also Vorstufen städtischer Freiheit. Bereits seit 1539 erhielt Bleistadt auf Veranlassung des protestantisch gesinnten Grafen Hieronymus Schlick einen lutherischen Geistlichen.
Bleistadt erhielt 1558 das Stadtprivileg und 1561 die Ernennung zu einer "königlich freien Bergstadt" (Zusicherung städtischer Freiheiten der inneren Selbstverwaltung einschließlich der eigenen Haushaltsführung).
Die Bleistädter waren von Beginn an (1539) bis zum Eintreffen der kaiserlichen Reformationskomision von 1650 durchwegs lutherischen Glaubens. Meist gingen auch die Untertanen aus den benachbarten Dörfern (Prünles, Horn), die der Herrschaft Hartenberg unterstanden, ebenfalls in die Bleistädter Kirche, was im Laufe der Zeit zur Gewohnheit wurde, wie es auch in den beiden ältesten Kirchenmatriken zum Ausdruck kommt. 1599 verpflichtete Heinrich von Pißnitz seine Untertanen, vor allem die von Prünles und Horn unter Androhung der Leibesstrafe, ausschließlich in die Kirche von Gossengrün zu gehen. Da die Kirchenbücher von Bleistadt bereits 1560 beginnen, die Gossengrüner Kirchenbücher jedoch erst 1616 (Heiraten schon ab 1606), ist es somit durchaus möglich, Eintragungen bezüglich des nördlichen Kirchensprengels von Gossengrün zumindest 1560 bis zur Anweisung von 1599 in den Bleistädter Büchern zu finden.
Nach der Erweiterung des Bleistädter Kirchensprengels von 1788 gehören die Dörfer Lindenhammer (1664 gegründet) und Horn sowie der Prünleser Ortsteil Unterprünles endgültig zum Kirchensprengel Bleistadt. Die übrigen Prünleser Ortsteile Oberprünles und Annathal verbleiben weiterhin bei der Kirche von Gossengrün.

Einleitung des ältesten Kirchenbuches (1560-1594):
Kirchen Buch, darinnen verzeichett und eingeschrieben sint alle die jenigen, so sich begeben haben in den heiligen Ehestant, wer darbey sey gewesen und obs auch mit beider Freundtschaft sampt der Eltern Wissen und Willen sey geschehen. Zum Andern die jenigen, so getauft seint worden und wer die Paten seint gewesen, auch den Namen des Kindes, zum Dritten die jenigen, welche in dem Herren entschlaffen sint und ehrlich zur Erden bestätigt, zum Vierden, wie vil Uhr von einer Zeit zur Andern von einem Sontag zum Andern zum hochwirdigen Sacrament seint gangen, angefangen zu der Zeit Ambrosius Fladerus, nachfolgendt durch die andern hernach kommenden Pfarrern auch vorzeichent.
(Nachtrag:) Solch Kirchen und Ehebuch, welches mir Amboriso Flader, Pfarrherr alhir anfenglich von der hohen Obrigkeit und Superattendenten in der königl. kayserl. freien Berckstadt St. Jochimsthal ernstlich bevohlen, sol rein, unbeschabernackt und nur allein den Personen, so sich nach christlicher Ordnung in heiligen Ehstand begeben und sonst zu nichts Anders gehalten werden. Es sol auch von den Gerichten allhier neben andern Büchern vleissig zu Acht gehalten und verwant werden und ein jeder Pfarrherr über andtworttet (werden).

Kirchenbücher:
1.) Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1560-1594
2.) Taufen, Trauungen, Beerdigungen 1594-1668

Dieses Ortsfamilienbuch wurde bis ca. 1650-1665 erstellt, um die Zeit von Beginn der Kirchenbücher zur evang.-luth. Konfession bis zum Übergang zur röm.-kathol. Konfession zu erfassen und die zum Teil nur sehr schwer leserlichen Kirchenbücher bestmöglich auszuwerten und zu erfassen. Mancher familiäre Zusammenhang ließ sich nur durch die Gesamtauswertung erkennen.

Zudem unterstützt dieses OFB die Exulantenforschung.

Die Kirchenbücher liegen ab dann lückenlos vor (online einzusehen unter Porta Fontium - Bleistadt heißt heute 'Olovi')

Um 1590/94 lückenhafte KB-Führung und viel durcheinander eingetragen.
Am 30.7.1628 wurde eine kathol. Messe in Bleistadt gehalten und am 2. Oct. 1650 wurde in Bleistadt die kathol. Religion eingeführt durch den General-Visitator Herrn Nicolaus Be... von Schönfeld, OberAmts-Verwalter Johann Jacob Hüttner, vom BergAmt.
Der erste, der daraufhin communiciert worden ist, war Matthes Köhler alias Paschelt; Pfarrer war Herr Martinus Glitz;
1594 bekam das Ehepaar Hans und Eva Kreißel zweimal Zwillinge im Januar und im Oktober!
Drillingsgeburt 1.7.1597 von Adam Hoyers Frau Catharina!
1611 im September bricht eine pestilenzartige Seuche in Bleistadt aus, an der bis Ende Dezember 1611 22 Personen zum Opfer fielen. Besonders betroffen war die Familie des Bürgermeisters Jacob Reinl (Reinhardt), das Ehepaar Liebel, Familie Hirsch und ganz zum Schluß der Bader Waldt mit seiner Frau, bei denen es sich um eine Ansteckung durch ihren Beruf handeln könnte.
Eintrag des Pastoren: 'Das also 22. Personen in dieser Seuche dise zeithero abgangen. Der Allmechtige und barmhertzige Gott verleyhe i(h)nen eine fröliche Aufferstehung und lehre uns bedencken, das wir auch sterben müssen, auff das wir klug werden. Amen.'
Ab 1624 lassen sich die Ehepaare auch im unweit gelegenen Lanz trauen, wo noch ein evangelischer Pfarrer tätig gewesen ist, der auch die Kinder nach evangl-luth. Brauch taufte, da man sich der aufgezwungenen katholischen Religion nicht unterwerfen wollte; ab 1629 wichen die Brautpaare auch nach Falkenau zur Trauung aus, wo der evangelische Pfarrer Elias Bader trauen ließ, oder auch nach Heinrichsgrün;
Bei Kindstaufen wird oft noch der Name Martin vergeben, was die Verherung der damaligen Bevölkerung für Martin Luther zum Ausdruck brachte.
Um 1630 werden die Verstorbenen vom Stadtschreiber Endres (Andreas) und dem Schulmeister Matthes Hammer beerdigt. Ab Septembert 1630 wurde 'das Lesen' in der Kirche für die Evangelisch-Lutherischen verboten, so daß die Toten 'vom Hauß uf den Gottesacker getragen' und dort gleich bestattet wurden.
Von einer ersten katholischen Trauung kann am 12.2.1634 ausgegangen werden, als Bruder Antonius, ein Mönch aus Gossengrün, das Ehepaar Friedel u. Maria, Witwe Dürrschmidt traut;
1633/34 verschärft sich der Konflikt zwischen der Einwohnerschaft, die weiterhin evang.-luth. Glaubens ist und der Einflußnahme der katholischen Kirche. Ab und an wird ein Kind durch einen Mönch getauft, aber dann taufen wieder der Schulmeister Hammer und der Stadtschreiber Endres (Andress). Als der Schulmeister 1634 wegen der Abwesenheit eines Pfarrers sein Kind selbst tauft (angeblich in der Not wegen Schwachheit des Kindes, was auch eine geschickte Ausrede gewesen sein kann), werden zwei Tage später vom Pater Antonio in der Kirche 'darüber etliche Gebot abgelesen'; vermutlich, daß ab sofort nur noch katholische Priester kirchliche Handlungen vornemen dürfen.
1633/34 herrscht die Pest in Bleistadt, so sterben 10., 11. u. 14. Nov. drei Kinder an der Pest; im Nov. u. Dez. 1634 'sind noch 6 Personen (an der Pest) verschieden' - deren Namen sind nicht genannt;
Es werden ab 1635 immer weniger Taufen im Kirchenbuch verzeichnet, offensichtlich ließ man die Kinder fern Bleistadts von evangelischen Pfarrern taufen, so sind Taufen von Egerländer Kindern in den Kirchenbüchern des nahen Vogtlandes und in Kirchorten gleich hinter der Grenze in Sachsen bekannt.
Ab 1636 tauft Herr Johann Gottfried Mohr die Kinder;
1642 im Januar sind erneut Soldaten im Raume Falkenau-Bleistadt, weshalb ein Kind aus Horn vom Schulmeister in Bleistadt getauft wird (der Pfarrer war wegen der bedrohlichen Lage abwesend);
Auch das Begräbnisregister berichtet im April bis zum August 1647 von vielen auswärtigen Toten, die offenbar vor den Soldaten geflohen sind;
am 21.4.1652 findet sich bei der Trauung von Hans Schuch und Magdalena Günter der folgende Zusatz: 'Dießem Baar Eheleuthen ist daß Orgelwergck daß erste Mahl zur Brautmeß geschlagen worden'; - Demnach dürfte eine (neue?) Orgel im April 1652 in Bleistadt fertiggestellt worden sein.
Wie hart die Kirche alsbald durchgriff, wenn jemand gegen die kirchlichen Gebote verstieß, kann man anhand des Traueintrages 1655 für Hans Conrad Hemmerlein und Brigitta Schuch lesen:
Da das Paar gegen das 6. Gebot verstoßen und damit seine nächsten Angehörigen zutiefst verärgert hatte, wurde das Paar mit Gefängnis bestraft. Die Kirchenstrafe - 3 Sonntag nacheinander währen des Gottesdienstes barfuß und mit brennenden Kerzen - vor dem Altar zu stehen, wurde ihnen aber auf ihr inständiges Bitten erlassen, dafür mußten aber 4 Gulden an die Kirche und 3 Gulden an den Rat Bleistadt als Strafe gezahlt werden - damals eine sehr hohe Summe Geldes, da es sich um 7 Goldmünzen handelte!
Eine Seite im Sterberegister mit den Toten zwischen 15.11.1657 und 13.12.1659 ist herausgerissen und fehlt!
3.4.1660 wurde der von Franciscus Kelcher von Kelchen 'verehrte' neue Altar 'auffgesetzt';
17.3.1661 'ist die Kirch gepflastert worden, darzu 2 Tausend und fünffhundert und 50 (=2550) Ziegelsteine kommen'
3.4.1661 ist die Orgel 'mitt dem Sub Baß' gesetzt worden.
26.7.1661 hat die Knappschaft die Orgel bemalen lassen
24.12.1661 verehrt Herr Lugert das 'von Seyden gestickte allerhandt Farben mitt weißer Spitze verbremtte und daran daß Leyden Christi mit Maria u. Johannes-Bildern Kelchtüchlein. Gott vergelts';
Weitere reiche Schenkungen an die Kirche von 1661-1668 finden sich in Band 2 der Kirchenbücher Bleistadts auf den folgenden Seiten nach dem Taufregister (ab S.278).
Im Frühjahr-Sommer 1660 grassieren die Blattern in Bleistadt;

Lutz Kühnl, Januar 2022
lutz-kuehnl@t-online.de




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Lutz Kühnl


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