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Ortsfamilienbuch Dittmerau

Ortsfamilienbuch Dittmerau / Dziećmarów

Kirchenbuch-, Familien- und Ortsgeschichte seit 1782

Ein Dorf an einer historischen Sprach- und Diözesangrenze: von der Johanniterkommende Gröbnig über die erhaltenen Taufbücher und vereinzelten Kirchenbuchduplikate bis zu den Standesamtsregistern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Willkommen zum Ortsfamilienbuch Dittmerau / Dziećmarów

Dittmerau, heute Dziećmarów, liegt im heutigen Powiat Głubczycki der Woiwodschaft Opole in Polen, nahe der polnisch-tschechischen Grenze. Der Ort befindet sich etwa 6 km nordwestlich von Bauerwitz (heute Baborów) und etwa 11 km östlich von Leobschütz (heute Głubczyce). Historisch gehörte Dittmerau zum Kreis Leobschütz in Oberschlesien.

Dittmerau und Dziećmarów sind verschiedene Namen und Kapitel in der Geschichte desselben Ortes.

Das Ortsfamilienbuch konzentriert sich aus genealogischen Gründen vor allem auf die Familien des historischen Dittmerau. Die Geschichte des Dorfes endete jedoch nicht 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Ort zu Polen und trägt heute den amtlichen Namen Dziećmarów. Das Dorf gehört zur Gmina Baborów und ist heute Heimat seiner polnischen Einwohner. Besonders sichtbar ist diese Kontinuität an der Pfarrkirche, die nach der Kriegszerstörung von der neuen örtlichen Gemeinde wiederaufgebaut wurde.

Pfarrkirche St. Michael in Dziećmarów

Pfarrkirche St. Michael in Dziećmarów, 2020. Foto: Ralf Lotys (Sicherlich) / Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Bildnachweis.

Das Ortsfamilienbuch

Das Ortsfamilienbuch Dittmerau beruht vor allem auf den erhaltenen Taufbüchern, die im August 1782 einsetzen, sowie auf einzelnen Kirchenbuchduplikaten und späteren Zivilstandsregistern. Die Überlieferung ist deutlich lückenhafter als bei mehreren benachbarten Orten. Besonders die älteren Trauungs- und Sterbebücher sind heute nicht mehr auffindbar.

Ältestes erhaltenes Taufbuch
ab August 1782
Die heute erhaltene und verfilmte Taufserie setzt erst im August 1782 ein.
Taufbücher
1782–1941
Die verfilmten Taufbücher bilden die wichtigste durchgehende kirchliche Quelle für das OFB.
Kirchenbuchduplikate Oppeln
10 Einzeljahre
Erhalten sind die Jahre 1847, 1848, 1851, 1853, 1855, 1859, 1868, 1869, 1871 und 1874.
Standesamt
1874–1912
Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle wurden bis einschließlich 1912 in das OFB eingearbeitet.

Eine ungewöhnlich lückenhafte Kirchenbuchüberlieferung.

Ein schlesisches Kirchenbuchverzeichnis von 1902 weist für Dittmerau damals noch Taufbücher ab 1782, Trauungsbücher ab 1783 und Sterbebücher ab 1782 nach. Nach 1945 wurden jedoch offenbar nur die Taufbücher wieder aufgefunden und verfilmt. Die älteren Trauungs- und Sterbebücher gelten daher heute wahrscheinlich als verloren oder verschollen. Die nur für einzelne Jahre erhaltenen Duplikate im Staatsarchiv Oppeln können diese Lücken teilweise, aber nicht vollständig schließen.

Soweit möglich, wurden die einzelnen Personen zu Familien zusammengeführt. Wegen der fehlenden Trauungs- und Sterbereihen ist dies bei Dittmerau jedoch schwieriger als bei vielen benachbarten Orten. Familiennamen wurden für die Suche meist auf eine einheitliche Form gebracht; abweichende deutsche und polnische Namensformen werden nach Möglichkeit als Varianten berücksichtigt.

Geschichte des Ortes

Ältere Namensformen des Ortes sind unter anderem Ditmaraw (1418) und Ditmeraw (1447). Dittmerau gehörte ursprünglich zum Herzogtum Cosel. Im Jahre 1311 kam der Ort durch Kauf von Johannes Czesnitz an die Johanniterkommende Gröbnig.

Frühneuzeitliche Urkunden und Verwaltungsakten bestätigen diese Zugehörigkeit. Dittmerau wird zusammen mit Babitz, Leisnitz, Wernersdorf und weiteren Dörfern unter den Besitzungen und Rechtsbereichen des Hauses Gröbnig und des Johanniterordens genannt. Trotz der räumlichen Nähe zu Gröbnig entwickelte sich Dittmerau jedoch in mehreren kulturellen und kirchlichen Bereichen anders als sein westlicher Nachbar.

Nach Hofrichter gab es in Dittmerau kein eigentliches herrschaftliches Gut. In den Taufbüchern erscheint um 1800 jedoch ein Freigut mit dem Namen Radowietz beziehungsweise Radonowitz. Dittmerau scheint schon früh als Zinsdorf angelegt worden zu sein. Die Ablösung der älteren Untertänigkeitsverhältnisse erfolgte im frühen 19. Jahrhundert.

Sprachen und Namensformen

Dittmerau lag in einem bemerkenswerten sprachlichen Übergangsgebiet des südlichen Oberschlesiens. Ältere Beschreibungen bezeichnen den Ort zunächst als deutsch-polnisch gemischt. Karl Weinhold verortete Dittmerau auf Grundlage von Untersuchungen aus den Jahren 1846/47 unmittelbar in dem Gebiet, in dem sich deutsches, polnisches und mährisches Sprachgebiet berührten, und bezeichnete Dittmerau zu dieser Zeit als polnisches Pfarrdorf. Das nur wenige Kilometer westlich gelegene Gröbnig wurde dagegen dem deutschen Sprachgebiet zugerechnet.

Für die Familienforschung ist diese Mehrsprachigkeit unmittelbar sichtbar.
In den Dittmerauer Kirchenbüchern erscheinen einzelne Familiennamen im Laufe der Zeit wechselweise in deutschen und polnischen Formen. Je nach Pfarrer und dessen Sprachgebrauch konnte dieselbe Familie unterschiedlich geschrieben oder sprachlich angepasst werden. Bei der Familienzuordnung wurden daher neben der Namensform besonders Eltern, Ehepartner, Paten, Wohnstellen und andere Angaben berücksichtigt.

Auch kirchlich verlief in dieser Gegend eine wichtige Grenze. Anders als Gröbnig und mehrere westlich gelegene Orte gehörte Dittmerau nicht zur ehemaligen Erzdiözese Olmütz, sondern zum Bistum Breslau und zum Archipresbyterat Kostenthal. Deshalb existiert für Dittmerau keine umfangreiche Olmützer Reihe von Kirchenbuchzweitschriften, wie sie für mehrere benachbarte Ortsfamilienbücher genutzt werden kann.

Dorf und Einwohner

Im Jahre 1723 werden für Dittmerau ein Scholze, 24 Bauern und 24 Häusler genannt. Für die Zeit um 1914 nennt Hofrichter 22 Bauern, 76 Gärtner und 32 Häusler. Die Feldmark umfasste etwa 846 Hektar.

446
Einwohner 1783
744
Einwohner 1855
779
Einwohner 1910

Früher bestanden zwei Windmühlen; eine Brennerei und eine Brauerei hielten sich bis etwa 1852. Die Dorfstraße wurde 1890 gepflastert. 1901 erhielt der Ort Anschluss an die Chaussee Leobschütz–Cosel. Eine Posthilfsstelle bestand seit 1888, ein Fernsprechanschluss seit 1901. Der nächste Bahnhof befand sich in Bauerwitz.

Der Kriegerverein wurde 1889 gegründet, die Spar- und Darlehnskasse 1895. Nach den späteren Ortsbeschreibungen kam die Elektrizität etwa 1923 in das Dorf. Um 1937 wurde eine Umgehungsstraße angelegt, und 1938 entstand eine zentrale Wasserversorgung mit Wasserturm.

Wasserversorgung

Die Wasserversorgung war lange ein besonderes Problem des Dorfes. Der südliche Teil Dittmeraus war wasserarm und verfügte zeitweise nur über einen einzigen Brunnen mit brauchbarem Trinkwasser. Zisternen führten oft nur nach Regen oder Tauwetter Wasser. Auch die Brunnen im mittleren und nördlichen Dorfteil konnten bei längeren Trockenperioden versagen.

Während der Trockenjahre 1865 und 1866 musste Wasser aus der Niedermühle bei Gröbnig und aus der Zinna herangeholt werden. Später wurden mehrere Brunnen vertieft. Eine dauerhaftere Lösung brachte schließlich die zentrale Wasserversorgung mit dem Wasserturm, die nach Beier im Jahre 1938 eingerichtet wurde.

Kirche und Pfarrei

Dittmerau gehörte kirchlich zum Bistum Breslau und zum Archipresbyterat Kostenthal. Vor 1660 war der Ort eine Tochterkirche von Babitz. Um 1660 stiftete ein Bauer namens Koska, der drei Hufen Feld besaß, die Pfarrwidmut. Im Jahre 1668 wurde Dittmerau zur selbständigen Pfarrei erhoben.

Die ältere, nur teilweise gemauerte Kirche wurde im späten 18. Jahrhundert durch einen großen Brand zerstört. Die genaue Datierung wird in den späteren Quellen unterschiedlich angegeben. Bemerkenswert ist, dass das heute erhaltene Taufbuch im August 1782 einsetzt; ältere Kirchenbücher sind nicht erhalten. Ein Zusammenhang mit den Bränden dieser Zeit ist möglich, lässt sich jedoch derzeit nicht sicher nachweisen.

In den folgenden Jahren entstand das Gotteshaus, das den Kern der heutigen St.-Michael-Kirche bildet. Ein Schieferdach erhielt die Kirche 1857. Der Turmhelm wurde 1895 erneuert, und 1897 stiftete der Gärtnerauszügler Johann Malik eine Turmuhr. In den Jahren 1896/97 wurde das Gebäude gründlich ausgebessert und durch eine Kapelle gegenüber der Sakristei erweitert. Die Kirche ist dem heiligen Michael geweiht; die Seitenaltäre waren der heiligen Maria und dem heiligen Stanislaus gewidmet.

1898 legte die Gemeinde außerhalb des Dorfes an der Leobschützer Straße einen neuen, etwa 1,25 Hektar großen Friedhof an. Der Weg dorthin wurde 1903 gepflastert. Das Kreuz an der Leobschützer Straße war eine Stiftung der Eheleute Franz und Anna Lux. Seit 1900 befindet sich an der Südostseite des alten Friedhofes eine Ölbergkapelle.

Pfarrer in Dittmerau

  • Urban Franz Medecki, 1668–1684
  • Franz Chimasius, 1684–1692
  • Nikolaus Bernhard Alberti, 1692–1739
  • Szyga, 1739–1763
  • Joseph Zembak, 1763–1793
  • Georg Poppe, 1793–1803
  • Michael Pitenek, 1803–1806
  • Anton Woitala, 1806–1828
  • Isidor Hain, 1828–1851
  • Erzpriester Ignaz Lodzit, 1851–1853
  • Rudolf Hirsch, 1853–1862
  • Anton Wermund, 1862–1893
  • Johannes Manderla, 1893–1910

Schule

Die Schule bestand vermutlich bereits seit der Erhebung Dittmeraus zur Pfarrei. Für 1750 ist ein Schulhalter namens Beck belegt. Das alte hölzerne Schulhaus wurde 1833 abgetragen und durch ein neues Gebäude mit zwei Klassenzimmern und Lehrerwohnungen ersetzt. Seit 1857 war die Schule zweiklassig; seit 1901 bestand eine dreiklassige Schule mit zwei Lehrern.

Als Schulleiter beziehungsweise Lehrer werden unter anderem Paul Ambrosius um 1719, Franz Pixa um 1747, Ambrosius Sedlag 1790–1822, Johann Czekir 1822–1866, Philipp Gawlik 1888–1912 und Theophil Krawietz ab 1913 genannt.

Anastasius Sedlag

Anastasius Sedlag wurde 1796 in Dittmerau geboren. Er wurde katholischer Geistlicher und war von 1834 bis zu seinem Tod im Jahre 1856 Bischof von Kulm. Er gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die aus Dittmerau hervorgegangen sind.

Dziećmarów nach 1945

Im März 1945 wurde Dittmerau im Zuge der Kriegshandlungen schwer zerstört. Auch die Pfarrkirche erlitt massive Schäden. Nach Kriegsende kam das Dorf unter polnische Verwaltung und erhielt den Namen Dziećmarów. Die deutsche Bevölkerung wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit weitgehend vertrieben beziehungsweise ausgesiedelt, während sich polnische Familien im Ort niederließen.

Die schwer beschädigte Kirche wurde von der neuen Gemeinde in den Jahren 1947–1949 wiederaufgebaut. Am 28. August 1949 konnte sie erneut geweiht werden. Damit ist die heutige St.-Michael-Kirche nicht nur ein Zeugnis der älteren Geschichte Dittmeraus, sondern auch des Wiederaufbaus und des Neubeginns des polnischen Dziećmarów nach dem Zweiten Weltkrieg.

Für das Ortsfamilienbuch ausgewertete Quellen

  • Kirchenbücher von Dittmerau, Family History Library / FamilySearch: Taufen von August 1782 bis 1941. FHL-Film Nr. 2084489, Items 3 und 4.
  • Archiwum Państwowe w Opolu (Staatsarchiv Oppeln): einzelne Kirchenbuchduplikate mit Taufen, Trauungen und Sterbefällen für 1847, 1848, 1851, 1853, 1855, 1859, 1868, 1869, 1871 und 1874, jeweils soweit für den betreffenden Jahrgang überliefert.
  • Zivilstandsregister von Dittmerau, Family History Library / FamilySearch: Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle 1874–1884. FHL-Film Nr. 1899179, Items 26–38, und FHL-Film Nr. 1899180, Items 1–20.
  • Archiwum Państwowe w Opolu (Staatsarchiv Oppeln): Zivilstandsregister von Dittmerau, Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle 1874–1912, soweit online zugänglich und für das OFB ausgewertet.
Hinweis zur Diözesangrenze: Für Dittmerau gibt es keine mit Gröbnig, Leisnitz oder anderen Orten der ehemaligen Erzdiözese Olmütz vergleichbare Reihe von Olmützer Kirchenbuchzweitschriften. Dittmerau gehörte zum Bistum Breslau. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die heute verlorenen älteren Trauungs- und Sterbereihen nur sehr begrenzt durch Duplikate ersetzt werden können.

Literatur zur Ortsgeschichte

  • Robert Hofrichter: Heimatkunde des Kreises Leobschütz. Geschichtliches der einzelnen Ortschaften des Kreises Leobschütz mit 111 Abbildungen und Plänen, Leobschütz 1914.
  • Georg Beier: Die Dörfer des Kreises Leobschütz, Dülmen 1990.
  • Karl Weinhold: Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien, Stuttgart 1887. Für Dittmerau besonders wichtig wegen der Beschreibung der deutsch-polnisch-mährischen Sprachgrenze im Raum östlich von Gröbnig.
  • Die Kirchenbücher Schlesiens beider Confessionen, Bestandsverzeichnis von 1902. Für Dittmerau werden damals Taufen ab 1782, Trauungen ab 1783 und Sterbefälle ab 1782 genannt.

Weiterführende Links

Historische Ortsnamen werden entsprechend der Sprache und Zeitstellung der jeweiligen Quellen wiedergegeben. Für den heutigen Ort wird der amtliche polnische Name Dziećmarów verwendet.


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Pfeil Dittmerau im geschichtlichen Ortsverzeichnis GOV
Pfeil Lage, Stadtplan Dittmerau
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Fragen zu den Daten, Ergänzungen und Korrekturen bitte an:
Uwe Beffert


letzte Aktualisierung der Datenbank Ortsfamilienbuch Dittmerau: 30.11.2024
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