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Ortsfamilienbuch LingenHermann Ludwig Friedrich Otto Grauert
Preußen durften sich zwar offiziell erst mit Inkrafttreten des ersten
Preußisch-Japanischen Handelsvertrages 1863 niederlassen, andere
Deutsche Hermann Grauert kam am 03.12.1857 zusammen mit seinem Bruder Wilhelm in Nagasaki, Deshima an und stellte sich zunächst unter britischen Schutz. Sein erster Besuch in Yokohama war als Berater der holländischen Delegation unter Leitung von Jan Hendrick Donker Curtius.
Am
01.07.1859 reisten sie zusammen nach Yokohama, um dort dauerhaft zu
wohnen.
Es wird vermutet, dass Wilhelm und Hermann Grauert über Holland nach Japan gegangen sind. Nachdem sie sich in Yokohama niedergelassen hatten, wurde die Handelsfirma Grauert & Co. gegründet. Im Rahmen dieser Handelstätigkeit hat H. Grauert auch die Vertretung der Firma Hagart & Co. von 1874 – 1877 für Yokohama mit übernommen ( der Hauptsitz der Fa. Hagart & Co. lag in Kōbe, die hier bis 1887 tätig war ). Neben der Export- und Importtätigkeit hat die Fa. Grauert & Co. ab 1878 die Vertretung der Norddeutschen Feuerversicherungs-Ges. Hamburg für Japan übernommen. Grauert & Co. war eine der ersten deutschen Firmen, die allerdings nie zu großer Bedeutung gelangte. Mitarbeiter der Fa. Grauert & Co. war Friedrich Robert Bleifuss *29.11.1853 in Herzogenreuth, +12.07.1917 in Yokohama.
Am
20.11.1861 wurde ein Attentat von zwei Samurai auf sein Leben
ausgeführt. (Attentate
zu dieser Zeit waren häufig. Sie wurden von so genannten
ronins ausgeführt.
Ronins sind
Samurai ohne Lehnsherr;
sie bildeten häufig Banden, bedrohten oder töteten nicht genehme
Personen, beteiligten sich an Aufständen, gegen Ende des Shōgunats
führten sie auch Attentate gegen Ausländer durch, selbst die
britische Botschaft wurde 1861 überfallen, der Sekretär des
amerikanischen Botschafters, Henry Heusken, wurde ebenfalls 1861
ermordet. Diese Taten wurden verfolgt, Täter bestraft,
Entschädigungen gezahlt. Anfang der 1870er Jahre wurde das
Schwerttragenverboten.)
Erbauer der ersten katholischen Kirche in Yokohama, die am 12.01.1862 eingeweiht wurde. 1865 wurde er in den ersten Stadtrat von Yokohama gewählt.
Vielen Dank dem Heimatverein Lingen, Herrn Dr. Rauck und Herrn B. Lepach ( http://www.koban-philately.de ) für die freundliche Unterstützung.
Ein Bericht,
der mir von der Ur-Enkeltochter zugesandt wurde. Vielen vielen lieben Dank: Unser Ur-Großvater Herman Ludwig Grauert (geb. 17. Juni 1837 in Lingen) kam als 20-jähriger Mann am 03. Dezember 1857 in Deshima (Japan) an. Deshima (in der Nähe von Nagasaki) war unter holländischer Konzession und Handelszentrum in Japan, dass sich gerade nach 200-jähriger Isolation zum ersten Male für den ausländischen Handel geöffnet hatte. Urgroßvater war Angestellter eines großen Belgisch-Niederländischen Handelsunternehmens in Antwerpen als er von der guten Nachricht hörte, dass der verheißungsvolle Besuch von Commodore Matthew C. Perry nach Japan im Jahre 1853 in der Resolution des Östlichen Tokugawa Shogunats resultierte, die Türen zu öffnen für den weltweiten Handel. Die Firma war sehr interessiert in Japan Fuß zu fassen, doch es gab nur wenige, die diese zu der Zeit lebensgefährliche Schiffsreise wagen wollten. So sind denn die Brüder Grauert (=Urgroßvater Herman Ludwig Grauert und sein älterer Bruder William (=Urgroßonkel) unter Protektion des holländischen Superintendenten Jan Hendrik DONKHEER-CURTIUS (=Freund der Familie) in eigener Mission in einer „Nacht und Nebel Aktion“ nach Japan, um einem Lebenstraum nachzugehen, ohne Kontakt zur fernen Heimat. Er einzige Kontakt war das Postschiff, dass 1x jährlich Deshima anlief und auch die einzige Möglichkeit nach Japan und auch weg von Japan zu kommen. Angespornt von Unternehmergeist und Mut-Zusprache durch den holländischen Superintendanten zu Deshima, kündigte Urgroßvater seine gute Anstellung, um die Überfahrt nach Japan zu organisieren. Da es nur 1x im Jahr ein Schiff nach Japan gab, lungerten die beiden Brüder jeden Tag in der Abenddämmerung am Hafen herum und hielten Ausschau nach einem Schiff, das sie nach China mitnehmen würde, von wo aus sie dann übersetzen wollten. Schließlich jedoch konnten sie an Bord eines kleinen Schiffes in Amsterdam, dass sie dann noch im selben Jahr nach Deshima brachte. Die Reise ging um das afrikanische Kap bei schweren Stürmen unter großer Lebensgefahr. Bei schwerem Schneesturm wurden am 03. Dezember 1857 die Anker vor Deshima geworfen. Man hatte durch die schweren Stürme alle Habseligkeiten verloren und war in einem Land angelandet, was von Tokugawa regiert noch sehr feindselig war. Man erinnerte sich den holländischen Superintendanten, der ihnen auch gleich half. Sie bekamen vorerst eine Stellung in seiner holländischen Beratergruppe. Als dann das Flagschiff „Kanrin Maru“ im Frühjahr 1858 zur historischen Reise zum Shogun aufbrach, waren Urgroßvater und Urgroßonkel auch dabei als Mitglieder der Beratergruppe, die vom Superintendanten zusammengestellt wurde. Nachdem er sich dauerhaft in der internationalen Siedlung der Hafenstadt Yokohama niedergelassen hatte, wurde Urgroßvater durch Jan Hendrik Donkheer Curtius zum Holländischen Handelsvertreter von Yokohama ernannt. Das Geschäft der Grauert Brüder erblühte sprunghaft. Die eigene Schiffsflotte erhöhte sich von 11 auf später 16 Schiffe, die ständig zwischen Holland, Deutschland und Japan pendelten. Urgroßvater war der Preußische Honorarkonsul von 1861 – 1864. In der Kolonie in Yokohama, wo die Brüder ansässig waren, war ein ständiges Kommen und Gehen. Die Meisten hielten es in der unzivilisierten, langweiligen, deprimierenden Atmosphäre Yokohamas nicht aus. Die Schiffe die dann einliefen wurden lang erwartet. Alles wurde Objekt des Handels. Man kaufte Werkzeuge, leere Flaschen, Brot, Bier, Hüte, Schuhe, teuren aber auch billigen Schund, nur um den Alltag mit etwas Bequemlichkeit und europäischer Art einzurichten. Selbst Türklinken und Ähnliches wurden abgeschraubt und die Schiffe verließen Yokohama in einem desolaten, abgewracktem Zustand. Es wurden jedoch horrende Preise erzielt und man hatte in Gold bezahlt. Jeder hatte wieder eine neue Idee Güter, die dringend benötigt wurden, zu importieren. Auch die Nachfrage nach Betten war riesig, sodass man hohe Preise anbot. So wurde bald aus dem einsamen Fischerdörfchen Yokohama ein Handelszentrum mit eigenen Konzessionen verschiedener Nationen, die sich feindlich gegenüber standen. So wurde denn ein Ausländerviertel gegründet (heutzutage ein Teil von „China Town“), wo sich abends die Seeleute unter Alkoholeinfluss blutigen Auseinandersetzungen lieferten. So wurde diese Gegend ein schändlicher Ort, der „Blood town“ genannt wurde. Gleichzeitig mit der Eröffnung des Hafens hatten die Brüder die Handelsfirma Grauert & Co. gegründet. Urgroßvater stiftete eines der 3 Grundstücke an die Katholische Kirche und finanzierte den Bau der 1. katholischen Kirche. (Die Handelsfirma hatte z.B. die Generalvertretung des Schweizer Chemieunternehmens Geigi Brüder für Indigo, bis Liebig das künstliche Indigo erfand. Japan hatte auch kaum Glass-Produkte; also hatte Urgroßvater auch die Generalvertretung für belgisches Crystal Glass. Außerdem war Seide ein wichtiger Export Artikel.) Neben seinen verschiedenen Hobbies wie z.B. Münzen zu sammeln und zu musizieren, sah er seine Lebensaufgabe darin den katholischen Glauben in Japan zu verbreiten. Schon seit jüngster Kindheit war er sehr fromm und religiös erzogen worden. Das damalige Tokugawa Regime war bekannt dafür seit dem 16. Jahrhundert alle Christen zu verfolgen. Bei Eröffnung des Hafens von Yokohama wurden an allen Straßenecken Warn- bzw. Verbotsschilder ausgehängt, worin jedem Japaner und auch Ausländer jegliche Aktivität im christlichen Glauben untersagt wurde. Jeder, der dieses Verbot missachtete würde mit seinem Kopf bezahlen. Urgroßvater stellte seine Residenz für Sonntagsandachten etc. zur Verfügung, zumal es keine Kirche gab. Pater Girard, der auf seinem Pferd von Shinagawa (Tokyo) angeritten kam, tauschte dort seine Kleidung gegen priesterliches Gewand und hielt dort seine Messen ab: In der Zwischenzeit stiftete Urgroßvater ein Stück von seinem Land und Geld für den Bau der 1. katholischen Kirche in Japan (Yokohama). Als bekannt wurde, dass der prunkvolle Eingang des preußischen Ehrenkonsuls (=Urgroßvater) , der Eingang zur provisorischen 1. katholischen Kirche in Japan war, was das Leben Urgroßvaters in großer Gefahr. Am 20. November 1861 (Urgroßvater war 24 Jahre alt) preschten 2 wütende Samurais in die Residenz von Urgroßvater, zogen nach einem kurzen Disput das Schwert um Urgroßvater damit auf dem Kopf zu hauen. In seiner Todesangst ergriff Urgroßvater das große Kreuz auf seiner Brust, dass ihm seine Mutter vor seiner Abreise ins ferne Land geschenkt hatte. Dies bewirkte eine leichte Kopfdrehung, so dass das Schwert nicht die Mitte seines Schädels traf, sondern die Schläfe. Er wurde sofort bewusstlos und verlor Unmengen von Blut. Die Samurais glaubten zufrieden ihre Arbeit getan zu haben und flohen. (Im Disput wurde Urgroßvater vorgeworfen den Befehl des Bakufu zu missachten und den christlich-katholischen Gauben zu verbreiten und den Kirchbau zu unterstützen. ) Ein gut befreundeter Arzt und auch Pater Girard wurden sofort zu Hilfe geholt und so konnte man sein Leben retten, obwohl er sich nie wieder von diesem Anschlag erholt hatte. |
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